Laufende Projekte 2009
des Instituts für Konfliktforschung
Partnergewalt gegen ältere Frauen
(Intimate Partner Violence against elderly Women)
| Projektleitung: | Dr.in Birgitt Haller |
| Durchführung: | Dr.in Birgitt Haller Dr.in Helga Amesberger |
| Finanzierung: | Europäische Kommission über Deutsche Hochschule der Polizei Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz Bundeskanzleramt/Bundesministerin für Frauen und öffentlichen Dienst |
| Fertigstellung: | Dezember 2010 |
Das zweijährige Forschungsprojekt nimmt die Situation älterer Frauen, die Opfer von Gewalt in Partnerschaften wurden, in den Blick. Sieben Forschungseinrichtungen aus sechs Ländern - neben dem Institut für Konfliktforschung die Deutsche Hochschule der Polizei und Zoom - Gesellschaft für prospektive Entwicklungen e.V. in Deutschland, die Universität Bialystok in Polen, die Akademie der Wissenschaften in Ungarn, die Universität Sheffield im UK sowie das Institut Cesis in Portugal - forschen in den Jahren 2009 und 2010 zum Thema. Daraus sollen Empfehlungen für nationale und europäische Politikgestaltung resultieren, die auf die Anpassung von sozialen Diensten an die Bedürfnisse älterer Opfer von häuslicher Gewalt zielen.
Zunächst wurden in jedem Land auf nationaler Ebene verfügbare Daten von Interventionsstellen/Gewaltschutzzentren, Frauenhäusern, Beratungseinrichtungen sowie Opferhilfeinstitutionen und Statistiken von Polizei, Justiz und Gesundheitsdiensten im Hinblick auf die Altersstruktur der erfassten Opfer von Partnerschaftsgewalt analysiert. Damit sollte zum einen ein erster Überblick über das Ausmaß, in welchem ältere Opfer häuslicher Gewalt bestehende Hilfseinrichtungen in Anspruch nehmen, gewonnen werden. Zum anderen sollte überprüft werden, ob die vorliegenden Daten eine solche Aussage überhaupt ermöglichen. Die österreichische Datenlage zu Partnergewalt gegen ältere Frauen ist sehr lückenhaft, es existieren nahezu keine Daten. Zudem besteht das Problem, dass die wenigen Studien und Statistiken teilweise unterschiedliche Kategorisierungen (z.B. bei Altersgruppen oder Tätern) vornehmen, auf nur eine Region beschränkt sind, explorativen Charakter haben und/oder keine Differenzierungen nach Geschlecht oder der Beziehung zum/zur TäterIn vorgenommen werden.
In einem zweiten Schritt wurden in jedem Land ca. 250 Einrichtungen, an die sich ältere Opfer von Partnergewalt möglicherweise wenden, mittels eines standardisierten schriftlichen Fragebogens befragt. Dabei sollte institutionelles Wissen über das Phänomen und den Umgang der Institutionen mit solchen Fällen erhoben werden. Die Befragung wird als Screening-Instrument verwendet, um Institutionen mit fundierter Fallkenntnis ausfindig zu machen. In Österreich wurde der Fragebogen im Herbst 2009 an 234 Einrichtungen, die im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit mit Partnergewalt gegen ältere Frauen konfrontiert sein könnten, meist mit Email gesendet. (An wie viele Personen der Fragebogen einrichtungsintern weitergeleitet wurde, lässt sich weitgehend nicht eruieren.) Die Befragung erfolgte zum einen auf nationaler Ebene: Befragt wurden Organisationen, die im gesamten Bundesgebiet tätig sind (wie allgemeine Opferschutzeinrichtungen, Notrufe, Senioren- und Betreuungseinrichtungen für ältere Menschen, Familienberatungsstellen) bzw. Einrichtungen, die primär mit Gewalt gegen Frauen befasst sind (wie Frauenhäuser und Gewaltschutzzentren/ Interventionsstellen). Zum anderen wurden Wien als städtische und der Bezirk Zell am See als ländliche Schwerpunktregion der Befragung ausgewählt. In beiden Regionen wurden Fragebögen an Ärzte/Ärztinnen, TherapeutInnen, Krankenhäuser und andere medizinische/pflegerische Einrichtungen, Seniorenwohnheime, Polizei und Justiz, Beratungsstellen mit Schwerpunkt Migration, Gewalt und Alter, kirchliche Einrichtungen, Selbsthilfegruppen usw. versandt. Nach telefonischer Ankündigung des Fragebogens und nochmaliger Erinnerung beantworteten ihn letztlich 111 Personen.
In jedem Land sollen 30 ExpertInnen interviewt werden, die durch die Fragebogenerhebung recherchiert wurden. Es gelang in Österreich, InterviewpartnerInnen aus allen für das Untersuchungsthema relevanten Einrichtungen zu finden. Schließlich sind Interviews mit zehn älteren weiblichen Opfern von Partnergewalt geplant. In den Leitfadeninterviews mit den Opfern und den MitarbeiterInnen der Opferschutzeinrichtungen sollen Charakteristika von Opfern und Tätern, Risikofaktoren und protektive Faktoren sowie Ursachen, Dynamiken und Kontexte von Partnergewalt im Alter erfragt werden. Besonderes Augenmerk wird auf das Hilfesuchverhalten der älteren Frauen, auf bestehende Hindernisse bei der Inanspruchnahme von Hilfe sowie auf Lücken im bestehenden Hilfesystem gelegt werden.
Die Forschungsinstitute werden mit auf nationaler Ebene tätigen (Dach-)Organisationen zum Thema häusliche Gewalt, Gewalt im Alter, Seniorenpolitik, Polizei, Gesetzgebung und Politik zusammenarbeiten und mit diesem nationalen Netzwerk Empfehlungen zum Umgang mit der Thematik erarbeiten. Im Rahmen eines internationalen Workshops werden im Jahr 2010 die Ergebnisse auch mit ExpertInnen aus nicht beteiligten EU-Ländern diskutiert, um auf dieser Grundlage auf die EU-Ebene zielende Empfehlungen zu entwickeln.
Die Ergebnisse des Forschungsprojektes werden Ende 2010 in sechs nationalen Berichten (auf Englisch und in den Landessprachen) und einem zusammenfassenden Bericht (Englisch) vorliegen.